Netzwerk Forst und Holz Unterfranken e.V.

 

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15. Oktober 2012

Symposium "Holzbauregion Unterfranken ?!" mit Besuch des Staatsministers Helmut Brunner in Bad Kissingen

Stolz auf Holz in Unterfranken

Als der amerikanische Schriftsteller Mark Twain 1878 durch Deutschland reiste, hat er folgende Zeilen in sein Tagebuch notiert: „Ich habe nie verstehen können, warum die Deutschen, die so viel Holz in ihren Wäldern haben, sich partout darauf versteifen, Häuser aus Stein zu bauen.“

pressefoto minister-holzbauregion unterfranken„Im Zeichen der Energiewende und des Klimaschutzes erlebt Holz gerade auch als Baustoff eine echte Renaissance und Unterfranken hat das Zeug dazu, eine Laubholz-Modellregion zu werden.“, so formulierte es der Bayerische Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner, anlässlich des Symposiums „Holzbauregion Unterfranken ?!“, zu welchem das Netzwerk Forst und Holz Unterfranken nach Bad Kissingen eingeladen hatte.

 

Ziel der Veranstaltung war es, mit aktuellen Themen wie beispielsweise „Holzbauweise für die Region“, „Brandschutz im Holzbau“ und „Potenziale bei der Laubholznutzung“ und ausgewiesenen Spezialisten einen weiteren starken Impuls für die regionale Holznutzung zu geben. Denn Unterfranken ist reich an Holz: 41% der Fläche sind bewaldet, und innerhalb Bayerns ist Unterfranken der einzige Regierungsbezirk in dem der Laubwaldanteil deutlich höher als der Nadelwaldanteil ist. Die Wälder der Zukunft sind hier schon Gegenwart. Das schlägt sich auch in der wirtschaftlichen Bedeutung nieder: Etwa 20.000 Arbeitsplätze sind in der Region direkt und indirekt mit Wald und Holz verbunden, und gemessen am Umsatz ist nur der Maschinenbau stärker als der Sektor Forst und Holz.

Mit Bürgermeistern und Behördenvertretern, Architekten, Zimmerern und Forstleuten waren alle am Holzbau Beteiligten –von der Holzbereitstellung über Planung, Bau bis hin zu potentiellen Bauherren-   anwesend, informierten sich und konnten miteinander ins Gespräch kommen.

Holz tut gut – diese Erfahrung hat sicher jeder schon einmal gemacht, der in einem Holzhaus war. Trotzdem fürchten viele Bauherren noch immer das vermeintlich höhere Brandrisiko. Dass diese Furcht unbegründet ist, konnte Dipl.-Ing. Michael Merk, ausgewiesener Spezialist beim Thema Brandschutz bei Holzbauten an der TU München, eindrucksvoll zeigen. Statistiken belegen weiterhin, dass Gebäude aus Holz nicht häufiger brennen und die Zahl der Brandereignisse ausschließlich von der Nutzungshäufigkeit der Gebäude abhängt. „Das Brandverhalten von Holz ist klar kalkulierbar“, betonte Merk einen wesentlichen Vorteil der Holzbauweise. „Holz brennt zwar, aber die Außenschicht schützt durch Verkohlung den inneren Bereich des Holzquerschnitts und verzögert dadurch den Abbrand erheblich.“ Ein plötzliches Versagen des Materials, wie dies beispielsweise bei Stahl- oder Stahlbeton vorkommt, kann bei Holz ausgeschlossen werden. Selbst mehrgeschossiger Holzbau ist aus heutiger Sicht bei Beachtung aller brandschutztechnischen Vorgaben kein Problem.

Prof. Andreas Müller von der Berner Fachhochschule für Architektur, Holz und Bau in Biel wagte den Blick über den Zaun und stellte erste mustergültige Großprojekte unter der Verwendung von Laubholz in der Schweiz vor. „Wir wollen das Laubholz konkurrenzfähig machen, haben aber noch weiteren Forschungsbedarf“, so Prof. Müller. „Technologien müssen auf die Verwertungsmöglichkeiten von Laubholz abgestimmt und Daten für die Bemessung von Konstruktionen zur Verfügung gestellt werden.“ Dabei ist es notwendig, die gesamte Prozesskette vom Einschlag über angepasste Sägetechnologien, Sortierklassen, Trocknungsverfahren bis hin zur Produktpalette und Bemessungsstandards zu optimieren, um das Laubholz als Ergänzung zur Verwendung von Nadelholz zu etablieren.

„Stolz auf Holz“ – so hieß der Vortrag von Zimmermeister Hermann Lang, der die Bauleistungen des Zimmererhandwerks in den Mittelpunkt stellte und über Innovationen und Möglichkeiten im modernen Holzbau berichtete. Bauen mit Holz ist aktiver Klimaschutz, denn 1m3 Holz bindet fast eine Tonne CO2 als Kohlenstoff – das ist die Menge Holz, die in Bayern pro Sekunde nachwächst. Grob gerechnet stellt uns der Wald in Bayern also in jeder Minute das Holz für ein ganzes Haus zur Verfügung! Und weil mit der Holzverwendung andere nicht nachwachsende Baustoffe ersetzt werden, steigt der Nutzen der Holzverwendung im Baubereich noch weiter. Und „wer mit dem Baustoff Holz gebaut hat, will sicher nicht mehr tauschen“, fasste Lang seinen Vortrag zusammen.

Im Anschluss spannte Prof. Wolfgang Fischer, Fakultät Architektur und Bauingenieurwesen der FH Würzburg-Schweinfurt, den Bogen von der „Urhütte“ bis zum modernen Holzbau und dessen Verankerung in der regionalen Baukultur. „Das kultivierte Bauen begann mit dem Holzbau vor 400.000 Jahren.“, so Prof. Fischer. Im letzten Jahrhundert ist Holz jedoch zugunsten anderer Baustoffe zurückgedrängt worden. Nun gilt es, die damit verbundene Bautradition wieder zu beleben und zu fördern. Und das muss schon bei den Kleinsten anfangen. Prof. Fischer stellte einen Kindergarten vor, der neu in Holzbauweise errichtet wird. Die Kinder des Kindergartens besuchen die Baustelle alle 2 Tage und können auf diese Weise erleben, wie ihr zukünftiger „Lebensraum“ im wahrsten Sinne des Wortes wächst, denn „die Kinder sind die ersten, die den Holzbau begreifen“, so Prof. Fischer.

„Wir müssen die Geschichte vom Wald bis zum fertigen Gebäude erzählen“ war auch das Resümee vom Prof. Gerd Wegener, Sprecher der Clusterinitiative Forst und Holz in Bayern und Moderator des Symposiums „Holzbauregion Unterfranken ?!“. „Dann haben wir eine gute, fruchtbare Zukunft vor uns.“