Netzwerk Forst und Holz Unterfranken e.V.

 

  • presseberichte
07. Mai 2012

Interview mit Mathias Hofmann, Geschäftsführer der Fa. Hess Timber

Innovationen sowie Forschung und Entwicklung haben eine zentrale Bedeutung für erfolgreiche Unternehmen. HESS Timber hat 2011 einen Innovationspreis von Schweighofer erhalten. Markus Blenk von der Clustergeschäftsstelle und Christoph Groetsch vom neuen Netzwerk Forst und Holz Unterfranken haben dazu den Geschäftsführer des Unternehmens, Mathias Hofmann, am 7. Mai 2012 interviewt.

  1. Mit Ihrem System HESS LIMITLESS haben Sie ein neuartiges Brettschichtholz-Produkt entwickelt. Wo sehen Sie die Vorteile Ihrer Entwicklung und wo wird sie derzeit angewendet? 
    Wie der Name schon sagt, ist unser LIMITLESS-Patent-Stoß ein System ohne Grenzen. Ohne Grenzen in Bezug auf Entfernungen – wir können weltweit liefern -, Baustellenbedingungen – wir können an die abgelegensten Orte liefern - und Binderlängen – bis zu 100m sind denkbar. Das System sieht vor, dass wir Binder mit einer Maximallänge von 13,6 m bzw. 12m auf die Baustelle transportieren und diese vor Ort mit einer speziellen erklebungsgeometrie verleimen. Damit können wir unsere Logistik mit Standard-LKWs und Überseecontainern abwickeln. Das Handling wird stark vereinfacht und LIMITLESS wird im Vergleich zu herkömmlichen Brettschichtholzprodukten enorm wirtschaftlich. Unsere Premiumlamelle verbessert zusätzlich die Zugfestigkeit des Binders und schafft gleichzeitig eine Produktoberfläche, die im Premiumbereich eingesetzt werden kann. Unser Patentstoß kommt grundsätzlich immer dann zum Tragen, wenn die Kosten für die Schwertransporte mit maßgeblich werden. Ende 2011 waren wir z.B. am Bau einer über 500m langen Fachwerkbrücke in Georgien beteiligt. Bei diesem Projekt mit Bauteilelängen von über 80 m wurden insgesamt 160 Stöße ausgeführt.

  2. Welche Zukunft sehen Sie für das seit 2010 zugelassene Buchen-Brettschichtholz? 
    Buchen-Brettschichtholz wird aus meiner Sicht ein Nischenprodukt für Projekte mit weitgespannten Trägern bleiben! Zumindest solange es die Sägeindustrie nicht schafft, Buchen-Lamellen in entsprechender Qualität und Fixbreiten zu einem vernünftigen Preis zu produzieren. Und selbst dann bleiben Verleimung und Dauerhaftigkeit definitiv eine Herausforderung. Diese Problematiken kann auch der geringere Querschnitt der Träger nicht aufwiegen. Ich sehe in nächster Zeit eher unseren entwickelten Hess-Hybridträger auf dem Vormarsch! Durch ihn ergeben sich für Architekten neue optische und gestalterische Möglichkeiten. Auch für den Einsatz im Witterungsbereich gibt es kostengünstige Lösungen. So kann man beispielsweise den Trägerkern aus Fichte durch die Verklebung mit dauerhafteren Holzarten wie Eiche, Western Red Cedar oder Modifizierungsprodukten wie "Accoya" oder „Belmadur" in der Trägerhülle wesentlich dauerhafter machen. Es ergibt sich damit eine Symbiose zweier Holzarten, deren Vorteile sich ideal ergänzen. Bei entsprechenden Abmessungen und Qualitätsanforderungen, können Sie letztendlich den fertigen Hybridträger günstiger kaufen, als z.B. die rohen Lamellen für die Buchenbrettschichtholz-Produktion! Da zählt für mich auch das „Querschnitt-Argument" nicht.

  3. Die Firma TimberTower GmbH plant, im Frühjahr mit dem Bau des ersten Holzturms für Windkraftanlagen der Multimegawattklasse zu beginnen. Ist die Konstruktionsweise des „TimberTower" mit Ihrem System vergleichbar? 
    Hinter beiden Konstruktionsweisen steckt definitiv die gleiche Idee. Bei beiden Varianten löst man das „Logistikproblem" durch Montage und Verleimung von Holzelementen auf der Baustelle. Eins zu eins vergleichbar sind die beiden Systeme jedoch nicht. Während es sich bei unserem Produkt um die Stoßverleimung von Brettschichtholzträgern handelt, werden beim „TimberTower" Brettsperrholzplatten als tragende Wandelemente montiert und verleimt. Während unsere Träger am Boden unter beheizten Zelten bei relativ konstanten Klimabedingungen verklebt werden können, werden die Wandelemente des „TimberTower" am fertigen Bauwerk, bei je nach Höhe wechselnden klimatischen Einflüssen, verklebt. Da bin ich wirklich froh, dass unser Leimprozess relativ überschaubar und gut zu überwachen ist. 

  4. Die Cluster-Initiative möchte künftig in einem Zukunftsnetzwerk Holzbau zu zentralen Praxisthemen Vertreter aus Forschung, Planung und Ausführung zusammenbringen und so eine Plattform für gemeinsame Projektarbeit schaffen. Werden Sie ein solches Angebot nutzen? 
    Ich finde so etwas grundsätzlich eine tolle Sache! Mehr oder weniger ist der Anstoß für unseren Patent-Stoß HESS LIMITLESS aus einem Netzwerk-Projekt entstanden, obwohl die Zielrichtung des Projektes eine ganz andere war. Aber allein die Tatsache, dass man sich mit „Gleichgesinnten" über bestimmte Themen unterhält, bringt oft die verrücktesten Ideen ans Tageslicht. Deshalb kann ich die Cluster-Initiative mit ihrem regionalen Partnernetzwerk Forst + Holz Unterfranken nur ermutigen, solche Projektplattformen zu schaffen! Als Firma könnten wir uns durchaus vorstellen, an 1-2 Treffen pro Jahr teilzunehmen – z.B zum Thema Marketing von Hybridvarianten in Richtung Planer. Aktiv an der Projektarbeit wollen wir uns derzeit aber nicht beteiligen. Wir haben in den letzten Jahren unheimlich viel Zeit und Manpower in die Forschung & Entwicklung gesteckt. Das fällt einem Unternehmen mit 90 Mitarbeitern nicht immer leicht. Wir sind eben kein Großkonzern! Um unsere selbstgesteckten Ziele zu erreichen, müssen wir zunächst unsere geleisteten Entwicklungen strategisch umsetzen. Wir wollen mit unseren neuen Produkten anspruchsvolle Projekte auf der ganzen Welt realisieren und müssen dazu mehr als flexibel bleiben.